Sternenkinder und der Löwenzahn


Leider kommt es immer wieder vor, dass Kinder unter der Schwangerschaft oder während der Geburt sterben. Sie werden "Sternenkinder" genannt und inzwischen hat sich viel getan, um diesen Kindern und vor allem ihren Eltern und Geschwistern einen guten Abschied zu ermöglichen.

Die Künstlerin Nora Mona Bach, selbst ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hospiz, gestaltet zweimal im Jahr einen kleinen Sarg für die Beisetzung der Sternenkinder.

 

In diesem Frühjahr hat sie das Motiv des Löwenzahns gewählt. Diese Pflanze, die zwischen April und Juni blüht und vielen nur als Unkraut bekannt ist, schafft vieles, was Trauernden helfen kann. Sie ist schmerzstillend, beruhigend, kräftigend und aufbauend.

 

Die Symbolik ist vielfältig: Der Wandel von der leuchtend-gelben Blüte zur fragilen Pusteblume lässt den Löwenzahn als ein Zeichen für Vergänglichkeit und Wiederauferstehung werden. Bläst man die kleinen Fallschirme der Pusteblume in den Wind, erscheint es fast, als hätten sie ein Eigenleben. In dem Disney-Filmen über Tinkerbell, sind diese Fallschirme der Beginn eines neuen Feenlebens.

Die Beerdigung der Sternenkinder wird im Mai und im November auf dem Südfriedhof durchgeführt.


Frage an die Künstlerin - Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen?

In Halle studierte ich bereits zwei oder drei Jahre an der Burg Giebichenstein Malerei und Graphik, als ich 2009 die Ausbildung zur ehrenamtlichen Mitarbeit am Hospiz begonnen habe, die mich sehr beeindruckt hat. Im Anschluss habe ich - sehr kurz - eine Familie mit schwer erkranktem Kind begleitet. Kurz, weil ich alsbald merkte, dass ich der allgemeinen systematischen Konstellation der Familie nicht gewachsen war. Für Psychohygiene braucht es vielleicht eine gewisse Konstitution oder innere Stärke, die ich nicht aufbringen konnte, wahrscheinlich noch immer nicht aufbringen kann. Ich habe nach einem anderen Weg gesucht, meine Fähigkeiten - ich nenne sie jetzt einfach Beobachtungssensibilität und Achtsamkeit - einzubringen ohne meinen gepflegten Elfenbeinturm verlassen zu müssen. Als Frau Tietze vom ambulanten Hospizdienst mich das erste Mal fragte, ob ich mir vorstellen könnte, die Särglein für die Sternenkinder zu gestalten, sodass sie nicht nur als Holzkörper erscheinen, war ich mir nicht sicher, wie sich so etwas gut ‚erledigen‘ ließe. Tatsächlich kenne ich mich mit den gestalterischen Dimensionen von Bildern aus, die Särge sind selbstverständlich keine bloßen Bildträger. Das finde ich noch immer gar nicht leicht. Auch wenn diese kunsthandwerkliche Arbeit selbstverständlich nichts mit meinen Zeichnungen zu tun hat, hoffe ich manchmal- das verlangt der künstlerische Narzissmus-, dass es zu einer gewissen Berührung kommt. Während ich in meinen großen Kohlezeichnungen in Kauf nehme, dass diese Bührungen auch unangenehm sein können oder sollen, wünsche ich mir für die Wahrnehmung der Särglein selbstredend stets friedliche Zugewandtheit. So hoffe ich immer, dass das, was man darauf sieht, sensibel und kraftvoll genug ist, weiß aber auch, dass diese Arbeit nicht das Wesentliche ist, sondern das Zusammenspiel aller, die sich des Verlustes eines Sternenkindleins annehmen - in welcher Form auch immer.

Headerfoto: bloom-blossom-dandelion-36424 by pixaby auf www.pexels.com